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Mueti

Mein Mueti (meine Grossmutter) durfte endlich ihre letzte Reise antreten. Sie wurde 95 Jahre alt und die letzten Jahre waren sehr beschwerlich für sie. Die Altersdemenz war sehr stark fortgeschritten und sie erkannte nur noch wenige Menschen und auch diese sehr oft nicht. Ich habe sie trotzdem immer wieder alleine oder mit meinen Kindern zusammen besucht. Denn sie hat sich so gefreut.  Vorallem an den Kindern hatte sie grosse Freude und diese hatten ihre ganz eigene Art mit Muetis Demenz umzugehen. Die Tochter erklärte ihr ganz geduldig immer wieder wie alt sie nun sei und in welche Klasse sie gehe, Junior hatte etwas Mühe aber kam eigentlich auch meistens mit, der Kleintje aber liebte das Mueti überalles. Die beiden haben immer so fest zusammen gekuschelt, dass wir gar nicht sicher waren, wer nun wem gut tat. Ich denke beiden.

Am 27. Dezember fand Muetis Beerdigung statt. Es war eine schöne Feier und ich glaube Mueti hätte es sehr gefallen. Was ich das Schönste daran fand, bei unserem Hausbrand vor 20 Jahren entdeckte man ein Wandertagebuch, das man retten konnte. Mueti hat mir drei anderen mir unbekannten Frauen ein Tagebuch geschrieben, dass herumreiste und die Leben der Frauen ein wenig erzählt. Daraus wurde im Gottesdienst vorgelesen. Das war so stimmig. Man konnte sich wirklich in Muetis Leben als Bauernfrau von damals einfühlen. Da wurde die Hochzeit und die viertätige Hochzeitsreise nach Ascona beschrieben, aber auch der Alltag mit den 7 Kindern, dem Hof, den etwas schwierigen Schwiegereltern aber auch das Leben mit meinem Grossvater (mein Tädi) den ich immer immer sehr vergötterte.

Ach mir kommen hier beim Schreiben doch wirklich die Tränen…

Ich musste während dieser Zeit immer wieder viel an Mueti denken. Ob sie wohl ein glückliches Leben geführt hat? Viele Möglichkeiten hatte sie ja nicht. Ihr Weg war ziemlich vorgegeben und “fremdbestimmt”, aber war sie dadurch weniger glücklich? Ich habe nach alten Fotos von Ihr mit mir gesucht. Gefunden habe ich leider nicht viele. Es gibt viele Fotos die mich mit Tädi zeigen, aber nur ein Bild mit Mueti:

Ich hatte eine sehr gute Beziehung zu meinen Grosseltern. Ich bin ja zum Teil bei Ihnen aufgewachsen. Wir hatten auf dem Bauernhof einen Mehrgenerationenhaushalt, wie man ihn heute nur noch selten kennt. Ich kann mich erinnern, dass wir immer wieder bei Mueti gegessen haben, ihre Teigwaren hatten dann immer noch ein wenig geschmolzene Butter mit geröstetem Paniermehl darüber. Und meine absolute Leibspeise waren ihre Dampfnudeln. Die koche ich nun auch immer mal wieder, aber so wie sie mein Mueti gemacht hat, kriege sich sie nicht hin. Jeden Abend bevor wir ins Bett mussten, gingen wir noch kurz bei den Großeltern vorbei um auch dort den GuteNachtKuss abzuholen. Wenn ich das Bild oben mit mir, meiner Cousine und meinem Grossvater betrachte, habe ich das Gefühl ich könne das Holz des Eckbanks fühlen, die leichte Klebrigkeit des wachsüberzogenen Tischtuchs fühlen und wenn ich nach links schaue, kann ich Tädis Vogelhäuschen sehen, das beim schmalen Küchenfenster über eine Hebelkonstruktion nach Innen geholt werden konnte.

Ich habe die Tage vor und nach der Beerdigung sehr heftige und nachhaltende Träume gehabt. Oft war ich im Traum noch einmal im Wohngeschoss des alten abgebrannten Bauernhaus, in dem meine Großeltern lebten. Ich sah noch einmal das schwere dunkle Doppelbett, das eigentlich auch zwei zusammengestossenen Betten bestand wo wir uns als Kinder immer nu den Grosseltern ins Bett kuschelten, die schöne alte Uhr in der Wohnstube die man im ganzen Haus schlagen hörte und die Tädi immer wieder an den schweren Zapfen aufziehen musste, der lange Mittelgang, der nicht ganz waagrecht war und im vorderen Teil vor dem Schlafzimmer und der Küche eine Steigung drin hatte. Oder aber das Kämmerchen von Tädi, ganz oben im Haus, wo er soviele Erinnerungen an den Krieg und an seine Aktivdienstzeit aufbewahrte und uns immer wieder Bilder und Gegenstände zeigte und erklärte. Wir haben als Kinder Stunden bei ihm verbracht und die alten Geschichten aufgesogen. Leider hat fast nichts von den Sachen da oben den Hausbrand überlebt, und ich glaube das hat damals Tädi das Herz gebrochen. Nicht mal das Elternhaus, das er in jener Nacht verlor, sondern die schwindenden Erinnerungen, die dann unwiederbringlich weg waren…

Ich denke sie hatten es gut, meine Grosseltern. Sie mussten viel arbeiten, hatten es sicher sehr streng und auch die Pflege der lang kranken Schwiegereltern war für meine Grossmutter nicht leicht. (Tädi hat mir später immer wieder gesagt, seine Eltern seien sehr böse gewesen) Aber ich glaube, die beiden hatten es gut miteinander. Mein Grossvater war der liebste Mensch, den ich auf Erden kannte, er konnte wirklich keiner Fliege etwas zuleide tun. (Mein Onkel hat mir an der Beerdigung eine Geschichte erzählt, wie seine Lehrerin, eine Ordensschwester, nach Hause telefoniert habe um mitzuteilen, dass der Sohn so gar nicht folgen wolle und das man da hart durchgreifen solle. Mueti habe dann dem Tädi gesagt, dass er meinen Onkel züchtigen soll. Er hat ihm dann auf dem Schoss auf den Po geschlagen, aber dabei mehr geweint als mein Onkel… Das war glaub das einzige Mal, dass er jemanden geschlagen hat. Und das war in der damaligen Zeit ja schon gang und gäbe.)

Sie konnte lange Zeit noch auf dem Hof leben. Der Einzug ins neue Haus nach dem Brand, haben die beiden noch gemeinsam gemacht. Tädi hat sich aber glaub nie mehr richtig zuhause gefühlt und starb dann schon bald. Von da an war Mueti ein bisschen einsam. Sie war zwar viel bei meinen Eltern und bekam auch immer wieder Besuch, aber die Demenz nahm ihr eine Menge weg. Sie wurde immer verwirrter und irgendwann ging es einfach nicht mehr Zuhause. Das wäre pflegerisch von meinem Mami nicht mehr zu stemmen gewesen. Sie durfte dann noch ein Jahr zu meinem Onkel ins Tessin, aber das war wohl auch sehr entwurzelnd.

Den Umzug ins Pflegeheim hat sie dann nie wirklich akzeptieren können. Bei jedem Besuch wollte sie wieder nach Hause in den Inkenberg. Mir hat es jedes Mal das Herz gebrochen, sie da zurück zu lassen. Obwohl die Pflegerinnen sich wirklich alle Mühe gaben und sie dort wirklich gut aufgehoben war.

So bin ich wirklich froh, durfte sie nun einschlafen konnte und ich hoffe, dass sie da, wo sie nun ist auch wieder bei Tädi ist und es ihr gut geht!

Seelentröster

Bei Junior ist im Moment ein wenig der Wurm drin. Er ist oft traurig und betrübt und nimmt sich vieles sehr zu Herzen.

Heute hatte er wohl noch Streit mit einem Gspänli in der Schule und da war er am Mittag sehr niedergeschlagen. Wir waren heute bei der Nachbarin zum Mittagessen und ich hatte mit den Kindern abgemacht, dass wir am Nachmittag Schuhe kaufen gehen.

Das Wetter war heute wieder traumhaft und da hat die Nachbarin Junior angeboten er dürfe den Nachbarshund mitnehmen. Das liess sich dieser nicht zweimal sagen und so hatten wir heute nachmittag hündische Begleitung. Wir haben einen ausgedehnten Spaziergang am See gemacht, bevor wir dann langsam Richtung Schuhgeschäft losliefen.

das hat uns glaub allen gut getan. Die Sonne, der See und die Bewegung an der frischen Luft.

Einzig das Schuhkaufen mit Hund ist nicht wirklich einfacher…

Grümpi

Das Steinhauser Grümpi fiel dieses Jahr buchstäblich ins Wasser. Sie konnten wegen dem grossen Regen fast nur Penaltyschiessen auf dem Kunstrasen durchführen.

Tochters Laune war dadurch jedoch nicht getrübt. Sie hatten wohl auch so ihren Spass.
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Leider bekamen wir beim Nachhauselaufen die traurige Nachricht, dass es dem Mueti gar nicht gut geht. Die Tochter und ich sind dann noch zu Ihr mach Menzingen gefahren, da wurde sie dann aber gleich darauf mit dem Krankenwagen ins Spital gefahren.

Es ging ihr wirklich ganz, ganz schlecht.

Im Spital haben sie sie dann schnell mit Antibiotika behandelt und so ging es ihr dann langsam besser.

Aber eine demente 94jährige Frau ist ein sehr trauriger  Anblick im Spital. Ich habe dann beim Arbeiten meine Mittagspause ins Spital gelegt, da konnte ich ihr wenigstens beim Essen helfen und Gesellschaft leisten. Das war das erste Mal, dass sie mich nicht mehr erkannte und auch mit Erklären keine Ahnung hatte wer ich bin. Ich war abwechselnd ihre Coiffeuse oder eine alte Arbeitskollegin von früher. Es hat mir fast das Herz gebrochen, die alte zerbrechliche Frau so verwirrt und verängstigt zu sehen. Ich konnte ihr glaub wirklich helfen, sie wurde viel ruhiger als ich da war. Aber als ich wieder zur Arbeit musste war sie dann sehr, sehr traurig. (ich auch)

Jetzt ist sie wieder im Pflegeheim in Menzingen. Ich wünsche Ihr, dass sich ihr Wunsch einfach ganz ruhig einzuschlafen jetzt dann einmal erfüllt. Es wäre ihr wirklich sehr zu gönnen.

gereizt und müde

die letzten Wochen waren sehr anstrengend. Zum einen war vier Wochen lang immer jemand krank zum anderen gab es noch die erste zu leitende Stockwerkeigentümersitzung, die mit auf dem Magen lag. Und jetzt ist irgendwie die Luft raus. Wenn ich könnte, würde ich am liebsten ein paar Tage durchschlafen. Das Bett nicht mehr verlassen und mich einfach  nur in meine Decke kuscheln.

Ich bin sehr gereizt und nerve mich schon ab Kleinigkeiten. Meine Tage sind immer so voll, es bleibt kaum Zeit für mich. Und im Moment stresst mich das gerade sehr.

Dabei helfen mir rundherum so viele Leute. Meine Nachbarin, die mit dem Kleintje spazieren geht, damit ich nur mit zweien in den Schwimmkurs muss. Meine Schwiegermutter, die mir am Donnerstag morgen immer den Kleintje nimmt, damit ich mit Pascal ins Turnen kann und dann auf die Kinder aufpasst, damit ich in Ruhe kochen kann. Meine Mutter die mit meinem ganzen Entsorgungsmüll in den Ökihof fährt. Mein Mann, der sein Homeoffice immer wieder so anpasst, damit ich zur Arbeit kann, wenn ein Kind krank ist.

Ich hoffe ich finde meine gute Laune und meine Gelassenheit wieder. Es war wohl einfach zuviel in letzter Zeit! (und ich muss wohl endgültig lernen, meine Ansprüche runterzuschrauben)

Schwimmkursgarderobenhölle!

Die beiden Grossen gehen nun ja immer am Freitag nachmittag in den Schwimmkurs. Und sie machen beide ganz toll mit, was mich bei Pascal schon sehr erstaunt. Ist er ja normalerweise nicht so der Gruppenkurs-Typ. Aber die Leiterin scheint es gut mit ihm zu haben und so bin ich soweit schon ganz glücklich damit.

Wenn denn nicht das Drama in der Garderobe wäre. Denn Pascal will weder Duschen, noch Haarewaschen und schon gar nicht die Haare föhnen. Das Theater das er veranstaltet ist grandios.

Und das kombiniert mit den vielen anderen Müttern und Kindern in der Garderobe, die mir mitleidige Blicke zuwerfen oder einen blöden Spruch landen, einem müden, jammernden Nicolas am Bein und einer Tochter, die dann plötzlich auch findet das Duschwasser sein aber zu kalt, birgt ein enormes Stresspotential für die Mutter.

 

irgendwann nach langem Gutzureden und überzeugen wollen, habe ich Nicolas der heute auch anwesenden Lieblingsnachbarin in die Hand gedrückt, habe Pascal unter die Dusche gestellt (ich war dann halt auch eher nass) und dann schliesslich unter den Arm geklemmt und geföhnt (ich war dann wieder etwas trockener). Dann habe ich Nicolas wieder zurückgeholt und bin in die Umkleide geflüchtet. Aber nun war Pascal natürlich sehr aufgebracht und liess kaum mehr mit sich reden. Wollte getragen aber doch nicht bei mir sein, wollte sich selber aber dann doch nicht alleine anziehen….

Fazit nach etwas mehr als einer Stunde im Schwimmbad, zwar saubere, trockene Kinder, aber eine schweissgebadete völlig entnervte und zornige Mutter, die am Abend ihren ganzen aufgestauten Ärger dem Tennislehrer um die Ohren schlägt!

das latente schlechte Gewissen

So hatte ich mir das nicht vorgestellt. Die Sache mit den drei Kindern.

Denn langsam sind wir ein eingespieltes Team und wenn die Rädchen laufen, dann klappt eigentlich alles. Die Wohnung ist immer mal wieder aufgeräumt und sauber, wir haben frische gewaschene Kleider im Schrank, der Kühlschrank ist gefüllt und wir halten unsere Verabredungen und alle Kurse der Kinder ein.

Aber trotzdem ist es da, das schlechte Gewissen, irgendwie der Sache nicht gerecht zu werden. Mein Gefühl sagt mir, dass die beiden grossen Kinder zu kurz kommen. Es fehlt mir an Zeit aber auch an Geduld und Nerven um richtig auf sie eingehen zu können. Manchmal liege ich am Abend im Bett und denke, dass hätte ich heute besser machen sollen. Es bleiben mir die Momente des Tages in Erinnerung als ich im Gesicht meiner Kinder förmlich lesen konnte, dass es für sie nicht stimmt so.

Dabei haben wir viele schöne Momente, wenn wir spielen, basteln oder etwas unternehmen. Und sie wirken ja nicht unglücklich meine Kinder.

Problematisch wird es immer, wenn uns irgendwas dazwischen kommt. Wenn sich einer verletzt während ein anderer gerade eine Krise schiebt. Wenn sich die Berge mit Hausarbeit erheben, während die Kinder lieber mit mir spielen möchten oder Nicolas halt mal sehr weinerlich ist, während die Grossen etwas möchten. Oder ich an meinen beiden Arbeitstagen morgens zügig zur Arbeit möchte und die Kinder lieber noch spielen oder kuscheln möchten. Dass ist das Schlimmste, dann habe ich das Gefühl ich schiebe sie regelrecht ab, nur um pünktlich zu sein.

Aber auch an den drei Tagen zuhause beschleicht mich dieses Gefühl immer wieder. Ich würde mich manchmal gerne aufteilen um allem gerecht zu werden. Und dann kommt da noch diese Müdigkeit dazu, die nur Eltern von nicht durchschlafendenden Kindern kennen. Man fühlt sich am Morgen schon gerädert, hat aber dann noch einen ganzen Tag ohne Pause vor sich.

Ich nehme mir so oft vor, mehr Zeit mit Liliane zu verbringen, damit sie auch mal in Ruhe erzählen kann, was sie bewegt. Manchmal sitze ich am Abend noch ein wenig an ihrem Bett und wir reden noch ein bisschen. Aber manchmal bin ich am Abend genervt, weil vielleicht Nicolas gerade weint, wenn die Grossen ins Bett gehen, und ich nur noch eine kurzes Geschichte erzählen kann und sie dann ins Bett gehen ohne dass ich mir wirklich noch Zeit für sie nehmen konnte.

Das Schlimmste sind aber die Momente, wo ich die Nerven verliere und laut werde. Dann stellt es sich unmittelbar ein, das schlechte Gewissen. Oft entschuldige ich mich dann bei meinen Kindern aber trotzdem fühle ich mich nachher schlecht. Es ist zwar wirklich seltener geworden, mein Vorsatz trägt Früchte. Aber ob ich das jemals ganz schaffe?

Ich kann die Frauen gut verstehen, die aufgehört haben zu arbeiten. Es ist ein immer ein Spagat. Und manchmal frage ich mich, ob sich der Aufwand und die Kosten wirklich lohnen. Aber ich liebe meine Arbeit sosehr. Die zwei Tage tun mir gut und ich glaube ich wäre nicht die gleiche Mutter, wenn ich immer zuhause wäre. Mir würde der Ausgleich fehlen, trotz der ganzen Drumherumorganisiererei.

Ich muss mir wohl einfach Oasen schaffen. Damit jedes Kind mal was von mir hat. Mamazeit ohne das Drumherum. Wie macht ihr anderen Mütter das?

Tschüss Rocky, machs gut…

…wo auch immer Du nun bist.

Gestern ist der geliebte Hofhund meiner Eltern gestorben. Unsere Kinder und eigentlich alle in unserer Familie haben sehr an ihm gehangen.

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Liliane ist sich ganz sicher, dass er nun im Hundehimmel weiterlebt und es ihm sehr gut geht. Er bekomme nun soviel Futter wie er möchte und wird von allen immer gestreichelt. Er habe es gut, dort wo er jetzt ist, meinten die beiden heute. Aber traurig seien sie trotzdem. Sie werden ihn sehr vermissen.

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