Langsam kommt der Geburtstermin in greifbare Nähe. Die Nervosität steigt langsam und ich frage mich, habe ich wirklich an alles gedacht. Ist alles bereit, um dem kleinen Wesen einen guten Start ins Leben ausserhalb von meinem Bauch zu garantieren?
Anders als vor Lilianes Geburt glaube ich zu wissen, was mich so erwarten könnte. Die Geburt an sich hat ein Gesicht, das ich zu kennen glaube und auch für die erste Zeit danach bin ich innerlich gerüstet. Mit Liliane hatten wir ja erstmal eine sehr strenge Zeit gehabt und so denke ich, das werden wir schon irgendwie meistern.
Aber was sich nun einstellt ist ein Gefühl des Bedauerns, mit dem ich nicht gerechnet hatte. Bei Liliane war ich einfach nur froh, die Schwangerschaft überstanden zu haben. Jetzt habe ich das Gefühl die Schwangerschaft nicht wirklich erlebt zu haben.
Zum Einen ging die Zeit so schnell vorbei und ich war in Gedanken so oft gar nicht wirklich dabei. Bei meiner ersten Schwangerschaft konnte ich jederzeit ganz genau sagen in welcher SS-Woche ich mich befinde oder was denn nun gerade in der Entwicklung des Babys ansteht. Diesmal läuft alles so ein wenig nebenbei.
Zum Anderen waren die Beschwerden viel stärker als beim ersten Mal. Erst war mir wirklich sehr lange schlecht. Ich dachte, das hört gar nicht mehr auf. Und dann waren da die dauernden Kontraktionen und die Probleme mit Kreislauf und dem Blutdruck. Ich schleppte mich irgendwie durch die Tage und war einfach nur noch froh wenn es Abend geworden war.
Auch jetzt bin ich einfach sehr viel erschöpft und müde und weiss manchmal gar nicht, wie ich die Zeit mit Liliane rumbringen soll, bis ich mich endlich wieder hinlegen kann. Die SS-Diabetes ist da wohl sicherlich auch nicht wirklich hilfreich. Und dann ist da natürlich auch der schlechte und nicht wirklich erholsame Schlaf, der seinen Tribut zollt.
Nun plagt mich ein schlechtes Gewissen, dass ich mich zuwenig auf mein Baby da in meinem Bauch konzentrieren konnte. Mit Liliane habe ich viel mehr geredet und sie auf das Leben draussen vorzubereiten versucht.
Habe ich dem kleinen Wesen eigentlich wirklich gesagt, wie sehr ich mich darauf freue, es endlich im Arm halten zu dürfen? Wie ich hoffe, dass es unsere Familie komplett macht?
Ich nehme mir jetzt einfach vor, die letzten Tage mit diesem Wunder in meinem Bauch besser zu “geniessen” oder ab er zumindest einfach bewusster wahrzunehmen und in meinem Kopf zu speichern.
Denn wir freuen uns schon sehr auf Dich. Ob Du Dir Deinen Geburtstag selber aussuchst oder ob Du den von uns angesetzten möglichst späten Termin wählen wirst, werden wir ja sehen. Bloss einen kleinen Terminwunsch hätten wir. Nimm bitte nicht den 5. Juli, den der gehört schon Deiner grossen Schwester.